Von meinem Blog

Geduld -vom Samen zum Baum

Geduld

Lesezeit: 5 Minuten

Zuerst ein klitzekleiner Test wie es mit deiner Geduld steht

Du hast Blumen gesät – wie verhältst du dich in den nächsten Tagen und Wochen?

  1. du prüfst gleich nach dem Säen mehrmals täglich ob etwas wächst?
  1. du schaust 1x pro Tag ob etwas wächst?
  1. du schaust 1x pro Woche
  1. du schaust gar nicht

Was hast du angekreuzt?

Oje, ich muss bei dem Test auf jeden Fall gleich die erste Aussage ankreuzen:-)  

Aber offensichtlich bin ich damit nicht alleine. Denn interessanterweise treffe ich im Frühling nach dem Säen immer meine Nachbarin, die nebenan auch in ihrem Garten ist – und das schon früh morgens. Beide sind wir im Morgenmantel oder haben nur das Notwendigste übergezogen. Beide schleichen wir etwas gebückt im Garten herum und schauen, ob nicht schon wenigstens ein kleines Hälmchen aus der Erde spriesst. Und das gleich am ersten Tag nach dem Säen! 

Bin ich deshalb ein ungeduldiger Mensch?

Schon als Kind und bis ins Erwachsenenalter musste ich mir immer wieder anhören, dass ich überhaupt keine Geduld hätte. Und ich fühlte mich deshalb immer etwas defizitär. 

Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich in manchen Bereichen sehr wohl Geduld habe, wie z.B. wenn am Computer etwas nicht klappt, da kann ich stunden- und tagelang tüfteln bis es wieder funktioniert. Und ich spiele Musikinstrumente – da braucht es schon ziemlich Geduld, Disziplin und Durchhaltevermögen bis aus den Noten auf dem Papier richtig gute Musik wird. 

In anderen Bereichen kann es mir jedoch nicht schnell genug gehen. Gerade auch, wenn sich eine Situation für mich nicht gut anfühlt. 

Irgendwann habe ich dann beschlossen, dass es gar nicht gut sein kann, wenn alle Menschen in allen Bereichen einen unendlich langen Geduldsfaden haben – denn dann würde sich ja gar nichts verändern in der Welt. Seither stehe ich auch zu meiner Ungeduld.

Wie steht es mit dir?

Zu welchem Typ gehörst du? Wie lange ist dein Geduldsfaden? Bist du prinzipiell ein geduldiger Mensch? Bist du immer geduldig? Oder gibt es unterschiedliche Bereiche in denen du mehr Geduld hast als in anderen?

Es lohnt sich, wenn du dir für diese Fragen etwas Zeit nimmst, denn du lernst viel über dich. Also nimm dir gerne ein paar Minuten Zeit bevor du weiterliest.

Was ist Geduld überhaupt?

Die Herkunft des Wortes geht auf das Urgermanische zurück und bedeutet tragen oder ertragen. Auch im Lateinischen und Griechischen finden sich Wurzeln des Wortes mit derselben Bedeutung. Im Wörterbuch steht als Definition von Geduld: „Ruhiges und beherrschtes Ertragen von etwas, was unangenehm ist oder sehr lange dauert“ 

Als geduldig wird also ein Mensch bezeichnet, der Schwierigkeiten oder Leiden mit Gelassenheit erträgt. Geduld gilt allgemein als eine Tugend.

Nun, ich muss ehrlich sagen: in diesem Zusammenhang gefallen mir andere Begriffe wie Ausdauer, Beharrlichkeit und Langmut besser. Ich bin nicht der Typ der gelassen etwas erträgt und in einer Situation ausharrt, die mir nicht gefällt. Zumindest nicht dann, wenn ich etwas daran ändern kann und mein Bestes gegeben habe, etwas daran zu ändern. 

Ich orientiere mich daher eher an dem bekannten Gelassenheitsspruch:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, 

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden

Wobei das mit der Weisheit oft am schwierigsten ist. Bevor ich nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, nehme ich persönlich eine unangenehme Situation nicht gelassen an. Und wenn es gar nicht anders geht, dann mache ich auf jeden Fall das Beste draus.

Ich denke, Geduld zu haben hat Vorteile. Aber es hat auch seinen Sinn, kritisch zu hinterfragen ob man eine Situation wirklich nicht ändern kann oder nur aus Angst, Bequemlichkeit oder Gewohnheit darin verharrt und dabei das Wort Geduld als Ausrede benutzt, um nichts ändern zu müssen.  

Vorteile von Geduld

Es gibt Studien zu dem Thema Geduld und die Ergebnisse zeigen, dass geduldige Menschen mehr soziale, emotionale und akademische Erfolge im Leben haben. 

Ein geduldiger Mensch kann eine Zeitspanne überbrücken ohne dabei negative Emotionen zu spüren und er kann Belohnungen aufschieben. Dazu braucht es eine größere Frustrationstoleranz. Wer geduldig ist kann zielstrebig sein, bleibt am Ball und kann seine weiter entfernten Ziele erreichen.

Es wird unterschieden in:

Kurzfristige Geduld

Die ist z.B. gefragt beim Arzt wenn du eine Stunde im Wartezimmer sitzt, während zu Hause oder bei der Arbeit eine riesige To Do-Liste auf dich wartet

Langfristige Geduld

Das ist, wenn du etwas opferst (Zeit, Geld …), um später etwas Größeres zu erreichen oder zu besitzen 

Wie kannst du deine Geduld nun üben und verbessern?

Kurzfristige Geduld kannst du z. B. üben, indem du 

  • Zeitdruck reduzierst und deinen Terminkalender nicht überfüllst
  • öfter mal Nein sagst
  • Aufgaben delegierst
  • Perfektionismus reduzierst
  • Selbstbewusstsein stärkst
  • dich bewusst dafür entscheidest, dich nicht zu ärgern
  • auf das Jetzt fokussiert bleibst 

Du könntest dann diese Wartezeit beim Arzt als geschenkte Zeit betrachten und ein spannendes Buch oder Hörbuch fürs Wartezimmer mitnehmen. Du kannst die Zeit auch nutzen und deiner Freundin mal wieder eine Kurznachricht schicken. Du kannst dir auch etwas Gutes tun und Jin Shin Jyutsu praktizieren oder einfach deinen Atem beobachten …

Du wirst sehen, dass die Wartezeit dann viel schneller vorbei geht und du dabei innere Ruhe findest. Wenn du das öfter übst, dann wirst du allgemein gelassener.

Um langfristige Geduld zu üben, ist es von Vorteil wenn du

  • ein ganz klares Ziel vor Augen hast 
  • das Ziel muss es dir wert sein
  • das Ziel kann sehr hoch gesteckt sein, aber es sollte für dich noch im Bereich des Möglichen liegen, bzw. dessen was du dir vorstellen kannst
  • Zwischenziele formulierst (wenn dein Hauptziel in weiter Ferne liegt)
  • du dir Unterstützung holst und dich von anderen motivieren lässt – für den Fall dass du einen Durchhänger hast

Ich gebe dir ein Beispiel aus dem Sport: 

Du läufst schon eine Weile regelmäßig längere Strecken und entschließt dich nun, einen Marathon zu laufen.

Sage NICHT: ich will irgendwann einmal einen Marathon laufen 

sondern 

Formuliere dein ZIEL GANZ KONKRET, z. B so: 

Am 26.9.2021 laufe ich den Berlin Marathon – und ich bin auch schon angemeldet. Ich habe meine Familie und Freunde darüber informiert. Dafür habe ich mir bereits Urlaub genommen, das Hotel reserviert und die Anreise geplant.

In diesem Beispiel hast du einen klar definierten Zeitraum und wirst auch motiviert sein und einen entsprechenden Trainingsplan einhalten. Eventuell sind kürzere Zeiträume mit kleineren Zwischenetappen sinnvoll um motiviert zu bleiben -z. B. ein 10 Kilometer Lauf im April und ein Halbmarathon Anfang Juli. Und natürlich darfst du dich auch bei jedem kleinen Zwischenziel belohnen und deinen Fortschritt feiern.

Verstehe dieses Beispiel jetzt bitte nicht als konkreten Trainingsplan, aber ich denke du verstehst nun was ich meine. Denn in dieser Form kannst du das auch bei all deinen persönlichen Zielen machen, egal aus welchem Bereich.

Geduld mit dir selbst

Meiner Erfahrung nach ist es oft am schwierigsten, Geduld mit sich selbst zu haben. Da hilft es sehr, wenn du mit dir selbst umgehst wie mit deiner besten Freundin oder deinem besten Freund. Du kannst auch immer mal wieder deine Grenzen austesten, jedoch ohne dich permanent zu überfordern. Es hilft, wenn du insgesamt liebevoll und respektvoll mit dir selbst bist und dir auch vermeintliche Fehler verzeihst.

Wichtigste Voraussetzungen für Geduld

Für mich persönlich ist Vertrauen die allerwichtigste Voraussetzung für Geduld. Vertrauen ins Leben, Vertrauen darauf, dass das Universum keine Fehler macht und wirklich ALLES seinen SINN hat. Dann kann ich mich und meinen Platz in dieser Welt im richtigen Verhältnis sehen und nehme manches nicht mehr so wichtig. Dann kann ich auch darauf vertrauen, dass alles seine Zeit hat. Ich persönlich pflege dafür ein gutes Verhältnis zur geistigen Welt und bekomme immer Unterstützung, wenn ich darum bitte.

Es ist wie beim Gärtnern

Es gibt die Zeit der Saat. Danach kommt eine Zeit wo du nichts siehst und nur darauf vertraust, dass der Samen irgendwann aufgeht wenn die Zeit reif ist. Das ist oft die schwierigste Zeit, wenn man noch nichts sieht und blindlings vertrauen muss. Erst dann kommt die Zeit des Wachsens, des Blühens, des Reifens. Und viel später erst kommt die Zeit der Ernte. Das ist dann der Punkt, wo du endlich weißt – die Geduld hat sich gelohnt.

 

Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim Experimentieren

Bianka

 

 

Beitragsfoto: Tumisu auf Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.